Friedrich Schiller und das wilde Kurdistan

Kurdischer Nachmittag im Heimatmuseum

 

„Durchs wilde und schöne Kurdistan“

 

– führte am Sonntag nicht Karl May, sondern der kurdische Kulturverein.

 

 

Reutlingen. Der hatte im Rahmen der „Auspacken-“Ausstellung ins Heimatmuseum geladen, wo es unter anderem kurdische Köstlichkeiten und einen Einblick in die traditionelle Knüpfkunst gab. Der Höhepunkt des Nachmittags aber war eine Ausstellung mit Arbeiten des in der kurdischen Kulturszene bekannten Kalligrafen Ziad Sheno.

Seine kunstvollen Schriftzeichen bringt er mit klassischen Zitaten von Friedrich Schiller zusammen – verbindet das Freiheitspathos des schwäbischen Dichters mit der Schönschreibkunst der Kurden. Was deshalb nahe liege, so der persönlich anwesende Künstler, der seit langem in Deutschland lebt, weil dem kurdischen Volk, das keinen eigenen Staat hat, sondern auf die Türkei, den Irak und den Iran verteilt ist, nichts über seine Freiheit gehe. Was ihn mit Schiller verbinde, sei die Suche nach der eigenen Identität und die Gedanken der Freiheit. Später gab Sheno noch eine Vorführung seiner kalligrafischen Kunst.

Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellung von dem kurdischen Sänger Bülent Kenan und der Tanzgruppe Mezopotamya, die im Heimatmuseums-Garten auftrat (unser Bild). Der kurdische Schauspieler und Schriftsteller Karzan Chindari, ein Freund Shenos, hielt die Beziehung zwischen Schiller und den Kurden in zwei Zitaten fest. Schiller, so Chindari, habe gesagt: „Leben heißt Träumen, weise sein heißt angenehm träumen.“ Die Kurden sagen: „Ich träume, das heißt, dass ich lebe.“

 

http://www.sarbast.com/dreja/2010/07/13/3/

(Tagblatt  29.06.2010)

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